Additive Manufacturing: Der ideale Weg zum nachbearbeiteten Bauteil

Die Parare GmbH, ein baden-württembergischer Fertigungsdienstleister für Metall-3D-Druck, setzt auf hyperMILL®, denn das CAD/CAM-System von OPEN MIND sorgt für den perfekten Handshake zwischen Metall-3D-Druck und zerspanender Nachbearbeitung.

Additive Metallverarbeitung hat sich in den letzten Jahren zu einem industriell genutzten Fertigungs­verfahren entwickelt. Insbesondere pulverbett-basierte Metall-Laserschmelz­verfahren überzeugen, da sie ein sehr homogenes, nahezu poren­freies Gefüge erzeugen mit einer Dichte >99,8 %. Sven Skerbis, Additive Manufacturing Engineer und Geschäfts­führer der Parare GmbH in Frickenhausen, erklärt die daraus resultierenden Vorteile: „Unsere Bauteile, die wir mit der Selective Laser Melting Technologie erzeugen, sind im Schnitt um 20 bis 30 Prozent mechanisch belastbarer als beispiels­weise Aluminium­druckguss­teile, die Lunker enthalten können.“

Die Parare GmbH, die Skerbis 2017 gemeinsam mit seinem Partner Matthias Bath gründete, ist ein auf industriellen 3D-Druck in Metall und Kunststoff spezialisierter Fertigungs­dienstleister. Die beiden Wirtschafts­ingenieure hatten schon während ihres Studiums die Potentiale dieser Technologie erkannt: Da es sich beim 3D-Druck um ein direktes Herstellungs­verfahren auf Basis von CAD-Daten handelt, werden zur Bauteil­generierung keine Werkzeuge, keine Formen und auch keine CAM-Programmierungen benötigt. Allerdings kann die Produktion von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen dauern, je nach Werkstoff und Bauteil­größe. „Je komplexer ein Bauteil ist, oder je mehr konventionelle Fertigungs­schritte hinter­einander erforderlich wären, umso mehr lohnt sich der 3D-Druck“, betont Sven Skerbis. „Denn bei den additiven Verfahren hat die Komplexität kaum Einfluss auf die Kosten. Daher eignet sich unser Angebot in erster Linie für Prototypen und Kleinserien, für die ansonsten zeit- und kostenaufwendige Druckguss­werkzeuge gebaut werden müssten. Auch für Ersatz­teile in kleinen Stückzahlen bietet sich der 3D-Druck an.“

„Wir haben schon früh erkannt, dass der Schnittstelle zwischen 3D-Druck und zerspanender Nachbearbeitung eine große Bedeutung zukommt. Das betrifft auch das eingesetzte CAD/CAM-System. Mit hyperMILL® von OPEN MIND haben wir eine perfekte Lösung gefunden.“

Sven Skerbis, Geschäftsführer der Parare GmbH

Den Kunden an die Hand nehmen

Der Name „Parare“ – was aus dem Lateinischen frei übersetzt „an die Hand nehmen“ heißt – ist für Skerbis und Bath Programm: „Das bedeutet, wir transferieren unser Wissen zu den Kunden und zeigen ihnen, wo der Einsatz des 3D-Drucks sinnvoll ist. Wir liefern Unterstützung im Bereich Konstruktion, bei der Topologie-Optimierung und erzeugen schließlich die Bauteile. Wir übernehmen die Nachbearbeitung und liefern das komplett fertige Produkt.“
Bei den Pulverwerkstoffen fürs Selective Laser Melting handelt es sich um klassische Legierungen aus Edelstahl, Werkzeugstahl, Titan, Aluminium, auf Nickelbasis etc.. Da der Laser Schicht für Schicht aufschmilzt, erfordern die Bauteile zusätzliche Strukturen, die Bereiche stützen, die sich im Pulver nicht tragen können, zum Beispiel Wände mit mehr als 45 Grad Neigung. Diese Stützen müssen im Nachhinein wieder entfernt werden. Zudem sind für Funktions- und Dicht­flächen, Passungen und Gewinde partiell weitere zerspanende Nachbearbeitungen erforderlich, um die notwendige Präzision und Oberflächen­qualität zu gewährleisten.

Wichtige Schnittstelle zur Nachbearbeitung

Diesen letzten Schritt zum fertigen Bauteil hatte Parare anfangs externen Partnern überlassen. „Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass die Schnitt­stelle zur zerspanenden Nachbearbeitung sehr kritisch ist“, erwähnt Sven Skerbis. „Wenn derjenige, der das Bauteil programmiert bzw. bearbeitet, nicht selbst die Rohdaten für den 3D-Druck erstellt hat, führt das oft zu langen Bearbeitungs­zeiten und im schlimmsten Fall zu Fehlern. Ausschuss produzieren, kostet an dieser Stelle richtig viel Geld.“
Daher verfolgten die Verantwortlichen bei Parare Anfang 2019 den Plan, die Nachbearbeitung selbst zu übernehmen. Sie machten sich auf die Suche nach einem passenden Mitarbeiter, einem leistungs­starken 5-Achs-Bearbeitungs­zentrum und geeigneter CAD/CAM-Software. In Michael Meyer fanden sie einen Zerspanungs­profi, der zudem mehr als zehn Jahre Erfahrung mit verschiedenen CAD/CAM-Systemen aufweisen konnte. Die Maschinen­wahl fiel auf eine Hermle C30 U. Beim CAD/CAM-System kam hyperMILL® von der OPEN MIND Technologies AG, Wessling, zum Zug.
Michael Meyer, der jetzt den Bereich Programmierung und zerspanende Fertigung verantwortet, ist von hyperMILL® und dem integrierten „CAD für CAM“-System hyperCAD®-S voll überzeugt: „Ich arbeite schon über zehn Jahre mit dieser Software, und ich kenne keine andere, die es hinsichtlich 5-Achs-Bearbeitung mit hyperMILL® aufnehmen kann. Außerdem kann ich mit hyperCAD®-S ganz unkompliziert die gelieferten 3D-CAD-Daten, um geometrische Körper und Flächen ergänzen oder fehlerhafte Flächen reparieren.“ Zur Info: hyperCAD®-S ist ein integriertes „CAD für CAM“-System, das OPEN MIND speziell für CAM-Programmierer entwickelte, um die Abläufe beim NC-Programmieren zu beschleunigen.

Mit hyperCAD®-S zum druckfähigen Bauteil

In der Regel bekommt Parare vom Kunden 3D-CAD-Fertigteildaten geliefert. Da sich diese noch nicht für den 3D-Druck eignen, werden sie zunächst in hyperMILL® transferiert und mittels hyperCAD®-S aufbereitet. Michael Meyer kontrolliert die Flächen, bessert nach, und ergänzt Stütz­strukturen sowie erforderliche Spann­laschen. An Stellen, die nachbearbeitet werden müssen, legt er das erforderliche Aufmaß fest, um später optimal fräsen zu können. Die Datei spielt er dann zurück ins Konstruktions-CAD-System, von wo aus es als STL-Datei für den SLM-Prozess ausgegeben wird.
„Durch diese Vorarbeiten weiß ich genau, wo meine Bezugspunkte sind“, erklärt Michael Meyer. „Bei Bedarf könnte ich sogar einen kleinen Zylinder als Bezug ergänzen, den ich dann in der Maschine antaste, um das Bauteil im Raum auszurichten. So ist gewährleistet, dass das Rohteil exakt so auf dem Maschinen­tisch aufgespannt ist, wie in der CAM-Programmierung vorgesehen. Das sorgt bei der Zerspanung für große Sicherheit.“

Die richtige 5-Achs-Strategie für jeden Einsatzfall

Michael Meyers Begeisterung bezieht sich nicht nur auf den CAD-Part in hyperMILL®, sondern auch auf die CAM-Programmierung selbst. Die im 3D-Druck erzeugten Strukturen sind oft sehr komplex und nur fünfachsig zu bearbeiten. „Gerade darin liegt eine große Stärke von hyperMILL®. Fürs fünfachsige Fräsen sind zahlreiche Anstell­strategien vorhanden, so dass ich für jede Geometrie, jeden Werkstoff und jede Maschinen­kinematik die passende Lösung wählen kann“, urteilt der Fertigungs­leiter. „Inconel zum Beispiel muss zwingend radial bearbeitet werden, was teilweise nur fünfachsig möglich ist. Bei einer Stirn­bearbeitung würden die Fräser sehr schnell verschleißen. Bei aktuellen Bauteilen konnten wir immense Werkzeug­kosten einsparen, weil wir alles im 5-Achs-Walzen hergestellt haben. Solche Bearbeitungs­zyklen wie 5-Achs-Walzen oder 5-Achs-Nachbearbeitung sind bei hyperMILL® extrem stark.“
Bei diesem Projekt spielte auch hyperCAD®-S eine wichtige Rolle. Denn Parare wollte die komplexe Bauteil­geometrie ohne zusätzliche Spann­laschen drucken. So nutzte Michael Meyer die Funktion Boolesche Differenz, um für die Nachbearbeitung eine Negativ­vorrichtung zu generieren, in die das Bauteil eingelegt wurde. Sein Urteil: „Das hat ganz hervorragend funktioniert.“

Kurze Programmierzeiten durch Feature- und Makrotechnologie

„Was mir persönlich bei hyperMILL® sehr gefällt, ist das Thema Makro­programmierung“, erwähnt Michael Meyer. Mit der Feature- und Makro­technologie und damit verbundenen Prozess- und Makro­datenbanken bietet hyperMILL® eine tragfähige Basis, um die Programmierung zu automatisieren. „Dadurch sparen wir schon beim Programmieren eine Menge Zeit“, ergänzt Geschäftsführer Skerbis. „Das gilt übrigens nicht nur für die Nachbearbeitung, sondern auch für andere komplexe Frästeile, die zunehmend bei uns nachgefragt werden.“
Bei der Arbeit mit Features und Makros legt der Anwender Werkzeuge fest, von denen er weiß, dass sie für die jeweilige Bearbeitung optimal geeignet sind. Für Michael Meyer ist daher eine gut gepflegte Werkzeug­datenbank das A und O einer effizienten Programmierung und prozess­sicheren Zerspanung. „In unserer täglichen Arbeit – heute dieses Teil und morgen jenes – brauche ich eine verlässliche Datenbasis. hyperMILL® bietet hier eine sehr tragfähige Grundlage.“
Verlässlich muss auch das Bearbeitungszentrum sein, auf dem bei Parare sowohl Schlicht- als auch Schruppprozesse laufen. „Unsere Hermle C30 U erfüllt unsere Wünsche perfekt“, attestiert der Zerspanungs­fachmann. „Sie ist flexibel einsetzbar, sehr präzise und steif, was für die Schrupp­bearbeitung wichtig ist.“ Zur Programmierung der Vorbearbeitung nutzt er unter anderem das Schrupp­modul des Performance-Pakets hyperMILL® MAXX Machining, das Lösungen für das High-Performance-Cutting (HPC) mit spiralförmigen und trochoidalen Werkzeug­bewegungen bietet. Das Paket vereint optimale Fräswege, maximalen Materialabtrag und kürzest mögliche Fertigungs­zeiten. Michael Meyer freut sich: „Es macht richtig Spaß, der Maschine zuzusehen, wie sie damit Späne produziert.“

www.parare.de


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